Predigt Vater Abt em. Christian Schütz

16. Sonntag im Jahreskreis / A (23.07.2017)

Im Evangelium dieses Sonntags entführt uns Jesus in die Natur. Er lädt uns ein zu einem Spaziergang durch die Felder oder in einen Garten. Er hält uns an, unsere Augen aufzumachen und uns entsprechende Gedanken zu machen. Was bekommen wir dabei zu Gesicht? Weizen, Unkraut, Samen, Ähren, Körner ... Überlegungen stellen sich ein. Wir denken an Unkrautbekämpfung, Ernte, Säuberungs- und Trennungsmaßnahmen und dergleichen mehr. Je mehr wir uns von diesen Beobachtungen und Einfällen mitnehmen lassen, desto mehr wird uns bewusst, dass das alles sich nicht nur in der Natur, sondern in unserer großen und kleinen Welt, in unserem Leben, in unserem Umfeld und bis in unser Inneres abspielt. Ja, so wie hier in der Schilderung Jesu, geht es bei uns selber zu, und das nicht nur ab und zu, sondern immer und ständig. Das sind wir selber, ein getreues Abbild von uns selber und unserem Leben. Darin steckt eine Herausforderung für uns. Welche Konsequenzen sollen oder könnten wir daraus ziehen?

Jesus öffnet uns zunächst die Augen für das Phänomen des Wachstums. Wir leben in einer Welt, in der vieles wächst, die ständig im Wachstum und am Wachsen ist. Und das trifft nicht nur auf unsere Umgebung, sondern auch auf uns und unser Dasein. Überall wächst es und wächst etwas. Was da wächst, ist nicht gleich und kann, darf und will uns auch nicht gleichgültig sein. Achtsamkeit und Hinschauen sind gefordert. Wir leben in einer Welt von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, in der Gutes und Schlechtes geschieht und gedeiht. Ähnlich verhalten sich die Dinge bei uns selber. Es wächst nicht nur der Weizen, den wir gesät haben, sondern auch das Unkraut; nicht oft kann man sie gleich von Anfang an unterscheiden. Zuweilen lassen sie sich erst an den Früchten erkennen. Es ist wahrlich nicht immer einfach, richtig und falsch, nützlich oder schädlich, gerecht oder ungerecht, gut oder böse auf Anhieb zu erken­nen. Die Sache mit dem Wachsen und der Umgang mit dem, was so wächst, wird noch komplizierter, wenn wir daran denken, dass nicht weniges in unserer Welt völlig verkehrt verläuft und schrecklich viel Leid und Katastrophen hinterlässt. Warum lässt Gott das zu? Der Kreislauf des Wachsens schließt neben dem Guten das Schlechte nicht aus. Das Wachstum schließt das Negative nicht aus. Es hat sogar den Anschein, dass es schneller und stärker wächst als sein Gegenteil. Wie sollen wir uns dem gegenüber verhalten, wie damit umgehen? Wenn wir Jesus fragen, dann plädiert er nicht für Radikallösungen, sondern verweist auf das Beispiel Gottes, der beides wachsen lässt bis zur Ernte, auch wenn mit Jesus das Reich Gottes angebrochen ist. Jesus legt uns das Bedenken, dass alles wächst und was alles wächst, ans Herz. Aus dieser Spirale können wir nicht ausbrechen.

Eine zweite Wahrheit, an die uns Christus erinnert, betrifft das Säen. Er fordert uns auf: Überlegt, was ihr sät! Der Herr selber versteht sich als Sämann des Himmelreiches und er hat mit einer gewissen Vorliebe Bilder und Geschichten vom Säen und von Saaten oder Samen gebraucht. So als wollte er uns dazu erziehen, dass wir uns bewusst machen, wie sehr wir selber ständig am Säen sind, und darauf zu achten, was wir säen. Säen wir Weizen oder Unkraut? Jesus hat Recht, wenn er uns darauf aufmerksam macht, dass wir in unserem Wollen, unseren Gedanken und erst recht in unserem Tun oder Lassen fortwährend am Säen sind. Was säen wir in die Lebensgärten unserer Herzen, unserer Nächsten, unserer Freunde und wohl auch unserer Feinde? Ist es Unkraut oder guter Samen? Diese Frage berührt alle, die von Haus aus als Eltern und Nahestehende oder professionell als Erzieher, Lehrer, Vorgesetzte, Kollegen und Mitarbeiter im Dienst des Säens stehen. Unser Auftreten, Reden und Verhalten sind eigentlich immer auf Aussaat eingestellt. Was auf dem Lebensacker anderer und von uns selber wächst und gedeiht, ist im­mer die Folge des Samens, den wir ausstreuen. Die Bibel hat uns so manche Weisheit und Erfahrung des Säens überliefert, die wir nicht ausschlagen sollten. „Wer Wind sät, wird Sturm ernten" warnt der Prophet Hosea. „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten" tröstet der Beter der Psalmen. „Was der Mensch sät, das wird er ernten" konstatiert der Apostel Paulus.

Je intensiver wir über Jesu Wachstums-, Saat- und Erntegleichnisse nachdenken, desto mehr Klärungsbedarf stellt sich bei uns ein. Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen konfrontiert uns mit dem Realismus Gottes. Jesus spricht ihn aus in den Worten des Herrn an die Knechte: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte!" Auf die Frage nach dem Woher des Unkrauts lautet der nüchterne Bescheid: „Das hat ein Feind von mir getan." Auf diese und alle weiteren Fragen, die wir im Zusammenhang mit dem Unkraut gerne stellen möchten, antwortet Jesus mit der Feststellung: Es gibt einen Gott, der darüber steht, einen Teufel, einen Himmel, eine Ernte und ein Gericht. Konfrontiert sein mit dieser Realität heißt nicht, dass wir Angst bekommen müssen, sondern dass wir zu Jesus unsere Zuflucht nehmen dürfen. Aber es nützt niemandem, wenn wir nicht von den Dingen sprechen, die Jesus hier erwähnt, dass es einen Tag des Gerichtes gibt, an dem herauskommt, was gesät und gewachsen ist, wer und was wir sind, Weizen oder Unkraut. Worauf wird Gott dabei schauen? Ich denke auf unser Herz. Er wird nicht unbedingt unsere guten und schlechten Taten abwiegen, wobei erstere dann mehr wiegen müssen. Nein, Gott sieht unser Herz an und dieses wird gerichtet. Für Menschen, die sein Evangelium gehört haben, lautet die Frage: Habe ich mich unter Gottes Herrschaft gestellt, habe ich ihm vertraut?

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